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Christiane Pott –
Bewegende und bewegte Objekte
„Ich suche beim Metall nicht das Spitze, Kalte, sondern das Weiche, Runde, trotz scharfer Geometrie...“ Christiane Potts Suche nach ihrem Weg reicht in die frühe Kindheit zurück und wird von Musik dominiert. Abgeschlossene Studien für Instrumentalpädagogik und Konzertklavier markieren lediglich einen Lebensabschnitt, der aber bald auch ihr späteres plastisches Werk beeinflussen wird. Die bildende Kunst nimmt für sie im Laufe der Jahre einen immer wichtigern Stellenwert ein, sodass ein Studium der Kunst- und Werkpädagogik an der Universität Mozarteum eine Wende hin zu einem neuen Interessensschwerpunkt einleitet. Bereits zu dieser Zeit widmet sie sich der Skulptur, wenngleich sie Malerei studiert. Parallel dazu bestimmen das private Studium der Kunstgeschichte und Literatur ihre Gedankenwelt. In der Fülle der Informationsflut entdeckt sie schließlich das Metall als eine Möglichkeit, ihre vielfältigen geistigen und manuellen Intentionen adäquat ausdrücken zu können. Die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit dem rostenden Eisen, beziehungsweise dem Stahl zieht sie magisch an. Die Verwendung dieser Materialien, das Schweißen und auch das Schmiedehandwerk bringen einen zusätzlichen Symbolismus mit ein. Zudem schließen Eisen- und Stahlskulpturen die Gussform aus und damit die Kopie als Substitut. So entstehen seit 1993 – dem Beginn ihres Kunststudiums hier in Salzburg – zahlreiche Metallobjekte und Eisenskulpturen von allmählich zunehmender Größe. Die als sogenannte „Liegeobjekte“(1997) konzipierten, Linsen, Kernen oder Mandeln ähnelnden Formen sind ihre persönlichen Meilensteine auf der Suche nach einer Urform - eine Suche, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Sowohl die äußere Form, als auch die in den Hohlräumen zurückgelassene Schweißperle sind bereits Voraussetzungen bzw. Wegweiser für das Kommende. Zum einen gelten sie als Reminiszenzen an den Schaffensprozess, zum anderen sind sie Vorboten für Bewegungsmuster und Geräusche, die in der Folge beim bewussten Drehen und Wenden der Objekte wahrgenommen werden. „...man könnte sie als große Spielzeuge für Erwachsene betrachten, die durch ihr Herumliegen auf einen Kontakt mit dem Menschen warten“, so der deutliche Hinweise Potts auf den kommunikativen Aspekt ihrer Arbeiten. Dementsprechend platziert sie etliche ihrer großteils aus Abfallstahl gefertigten Stücke nicht auf einem Sockel, sondern gemäß so genannter „moving objects“ auf nicht weiter abgegrenzten Bodenflächen. Dadurch reduziert sich die Distanz und Hemmschwelle des Betrachters in Hinblick auf das vor ihm Befindliche. Selbst in den aus kantigen Flächen geschaffenen Werken wie „Wave-Wall“(1998) und „Piercing“ erkennt man schon ihre Vorstellung von Bewegung, den Wunsch, die lastende Schwere in spielerische Leichtigkeit umzuwandeln. „Wave-Wall“, eine massive Stahl-Beton-Wasser-Installation steht im wahrsten Sinn des Wortes sowohl für Begrenzung als auch Offenheit. Diese Polarität, die Wand als absolute Grenze und die Welle, als Synonym für Bewegung, sieht Pott als Metapher für menschliches Denken und Handeln: „Panta Rhei“- „Alles fließt“ - nach Heraklit - auch wenn der Mensch zu Stehen vermeint. Durch das Spiel des Lichtes mit dem Objekt wie auch beim Umschreiten desselben ergeben sich Bewegungsmuster der an sich starren „Wand“(1998), die bereits das eingangs zitierte Konzept der Künstlerin nachvollziehen lassen. So kann der Betrachter selbst in den frühen hohen, auf den ersten Blick standhaft in sich ruhenden Arbeiten Potts, wie der „Säule“ oder vor allem den „Hochzeitsstücken“, an denen die Materialerkundung, das einander Näherkommen, der hitzige Dialog zwischen Ding und Mensch noch deutlich abzulesen ist, die Dynamik als das unsichtbare Zentrum erkennen. Bewegung implizieren auch all die vielen Bearbeitungsspuren und natürlich der Rost, der das ewige Fließen, das Prozesshafte, die Verwandlung allgegenwärtig sein lässt. Das 2002 geschaffenen Werk einer Schale mit zum Teil geschlossener Deckfläche und einem diese durchdringendem Rohr, impliziert den Prozess der Bewegung von Beginn an. Im Zuge des bewussten Rollens – eine von der Künstlerin initiierte Aktion - wird deutlich, dass ihr bisheriges Werk die gesamte Bandbreite künstlerischen Ausdrucks, wie Skulptur, Objekt, Installation, Performance und Malerei umfasst. So ergab sich für sie die logische Konsequenz, wieder intensiv zu malen – jedoch in engster Verbindung zum Material und zur Form ihrer dreidimensionalen Objekte. Orientierungspfeiler sind dabei die massiven Stahl- und Eisenwerke, die sie auf diese Art erneut lebendig werden lässt. Gegenstände so täuschend zu malen, dass sie für real gehalten werden, ist ein bereits in der antiken Malerei praktiziertes Phänomen. Derartige Bilder sind ihrem Wesen nach stets ambivalent: Als Gemälde sind sie ein mit Farbe bedecktes Stück Leinwand, also reales Objekt, gleichzeitig verkörpern sie aber auch ein Bild, auf dem Dinge durch Farben naturnah in Erscheinung treten. Als Höhepunkt dieser illusionistischen Naturaneignung gilt technisch gesehen die sogenannte „Trompe-l’œil-Malerei“, eine Sonderform des Stillebens, die seit etwa Mitte des 17. Jahrhunderts zu beobachten ist. Diese täuschend echte Wiedergabe von Gegenständen finden wir auch auf den jüngsten Gemälden Christiane Potts. Wie im klassischen „Trompe-l’œil“, unterlässt es Pott, bewegte Dinge wiederzugeben, denn jede potenzielle Bewegung spräche gegen eine gelungene Täuschung. Um eine gelungene Täuschung zu erzielen, stellt Pott ihre Bildmotive in natürlicher Größe auf der Leinwand dar. Die so auf der Malfläche erscheinenden Stahlplatten oder verrosteten Eisenprofile täuschen den Betrachter im Zuge der ersten Begegnung. Sodann – bei Nahsicht - ent-täuschen sie ihn als nicht real. Und das ist gut so: Würden wir die Täuschung nicht aufdecken, so verlöre diese Art der Darstellung ihren Reiz. Trotz der perfekten Täuschung sind die Arbeiten Potts keine „imitatio naturae“, kein Spiegelbild der Natur, sondern führen uns die von ihr geformte Natur, ihre eigene Wirklichkeit der Dinge, vor Augen. Auf diese Art reflektiert Christiane Pott ihre eigene plastische Arbeit und bringt den barocken Leitgedanken der „vanitas“, der Vergänglichkeit, in Einklang mit dem Zeitfluß. Eisen rostet, es verändert sich, die vormals graue Oberfläche wird rot und reizvoll bewegt. Das Werk lebt und stirbt zugleich. Im Bild aber, in ihrer Malerei, wird es in den Zustand der Zeitlosigkeit geleitet. Dr. Michaela Weihs im Mai 2002
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