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„Identität“ 2001/2002

 Malereien auf Leinwand

In der Werkgruppe mit dem Titel „Identität“ sind 35 Bilder bzw. Bildgruppen auf Leinwand zusammengefaßt, die hauptsächlich in der Technik der Ölmalerei oder zum Teil der Akrylmalerei gefertigt sind. Zeitlich ist diese Werkgruppe auf die Jahre 2001 und 2002 begrenzt. Unter demselben Titel „Identität“ fand im Mai 2002 eine Einzelausstellung aller dieser Arbeiten in der Energie AG in Riedersbach statt.

Diese Malereien bilden thematisch die Grundlage meiner Bildsprache und die elementaren Formen meines bildnerischen Denkens. So zeigt sich die Suche nach dieser fundamentalen Bildgrammatik schon in einigen Bildtiteln, wie „Ursilbe“ oder „Urform“ oder „  -alphabet“.  

Die Bildthemen und dargestellten Bildmotive stehen in engem Zusammenhang mit meiner Arbeit in Stahl, die mich seit 1993 prägt. Das Material des rostenden Stahls, des verwitterten Eisens und gebrauchter Alteisenteile bilden den Ursprung meiner Faszination und die Grundlage für die Gegenstände auf den Leinwänden, die ein genaues Studium verlangen. Genaues Hinsehen und Beobachten von Veränderungen der Oberfläche im Ablauf der Zeit, aber auch genaues Wahrnehmen von Veränderungen während der Arbeit mit dem Schweißbrenner sind unbedingte Voraussetzungen für die illusionistischen Abbilder in Öl.

Vorbilder für die Malereien sind die klaren Formen meiner Stahl-Plastiken, die mit ein paar wenigen Krümmungen oder interessanten Durchblicken keine Geschichten erzählen, sondern pures abstrahiertes, aber konkretes Dasein sind. Sie stellen mit ihrer Geschlossenheit und Masse und ihrer raumgestaltenden Fähigkeit Monumente des schweigenden Seins dar. Große, rostige Stahlplatten üben eine meditative, ruhige Wirkung auf den Betrachter aus. Mich beeindrucken sie durch ihre Klarheit und Einfachheit, die dennoch nicht spannungslos ist. Transponiert auf Leinwand habe ich diese vor sich hin rostenden Abfälle der Zivilisation gleichzeitig veredelt. Die Ölbilder halten quasi die Zeit an und lassen keine weitere Veränderung durch Verwittern zu. Sie sind Augenblicksaufnahmen und sprengen das dynamische Element der nagenden Zeit.

Die geometrisch-konstruktiven Formen sind von inhaltlicher Bedeutung, denn sie spiegeln den Einfluß der Industrie wider. Geformt sind die Eisenfundstücke nicht durch Natureinwirkungen, sondern durch den menschlichen Eingriff, meist aber durch die Maschine in endlosen wiederholenden Prozessen. Rechte Winkel, exakte Schnitte oder funktionale Geometrie prägen die industrielle Ästhetik und stiften zusätzlich die Identität mit der industriellen Arbeit. Meine Ölbilder zeigen dies durch ebensolche geometrischen Einschnitte und Spuren, durch strenge Symmetrie und  repetierenden Elementen.

Identitätsstiftend ist auch die Arbeitsatmosphäre in der Gipslagerhalle der Energie AG, wo ich seit Jahren jeden Sommer werke. Dort lagern auf dem großen Schrottplatz und in den Werkhallen die Vorbilder und Motive meiner Werke in Öl. Meine spezielle Sichtweise auf den Schrottplatz und die Rätsel, die Eisenfundstücke aufgeben können, bilden so die Grundlage für mein „entglobalisiertes“ Denken. Meine Arbeit, meine Identität entwickelt sich direkt mit meinem Umkreis, meinem Arbeitsort und meinen Wegen...und diese führen von Lamprechtshausen nach Riedersbach, selten aber nach New York.

 

Christiane Pott-Schlager